Tipps und Tricks

Praktische Tipps aus dem Pflegealltag – für den Alltag mit einem pflege- oder betreuungsbedürftigen Angehörigen. Diese Sammlung wächst laufend weiter. Ich habe auch unangenehme Tipps hinzugefügt, wenn es um den Bereich Tod und Sterben geht. Auch solche Tipps können helfen.

Sorge frühzeitig für dich selbst

Pflegende Angehörige vergessen sich selbst oft als Letztes. Warte nicht, bis es «nicht mehr geht» – nimm Entlastungsangebote schon in Anspruch, solange es noch gut geht. Achte auf Warnsignale wie Erschöpfung, Schlafprobleme oder Rückzug von Freunden und hol dir frühzeitig Unterstützung. Das ist kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, dass du die Pflege langfristig durchhalten kannst.

Sammle alle wichtigen Unterlagen an einem Ort

Eine Mappe mit Ausweisdokumenten, Versicherungspolicen, Arztberichten, aktueller Medikamentenliste und Vollmachten spart dir bei Arztbesuchen, Spitex-Einsätzen und im Notfall wertvolle Zeit und Nerven.

Regle Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung frühzeitig

Solange die betreute Person noch urteilsfähig ist, lohnt es sich, einen Vorsorgeauftrag und eine Patientenverfügung zu erstellen. Das erspart später aufwändige Verfahren, etwa bei der KESB, und stellt sicher, dass der Wille der betreuten Person auch dann respektiert wird, wenn sie sich nicht mehr selbst äussern kann.

Beziehe Familie und Umfeld aktiv mit ein

Du musst nicht alles allein tragen. Verteile Aufgaben – auch Angehörige, die weiter weg wohnen, können Finanzen, Behördengänge oder Terminkoordination übernehmen. Sprich offen an, wenn du Unterstützung brauchst.

Halte Notfallnummern griffbereit

Eine Liste mit Hausarzt, Spitex, Apotheke, Nachbarn und weiteren Angehörigen – gut sichtbar zu Hause (z. B. am Kühlschrank) und zusätzlich im Handy gespeichert – gibt dir und allfälligen Helfenden im Ernstfall schnell Orientierung.

Schaffe Routinen, bleibe aber flexibel

Eine feste Tagesstruktur gibt beiden Seiten Halt. Gleichzeitig verändert sich der Pflegebedarf oft schleichend – überprüfe Abläufe und Hilfsmittel regelmässig und passe sie an, statt starr am Gewohnten festzuhalten.

Passe den Wohnraum an, bevor etwas passiert

Stolperfallen entfernen, Haltegriffe im Bad montieren, für gute Beleuchtung sorgen: Viele Sturzunfälle lassen sich mit einfachen Anpassungen vermeiden. Ein Teil solcher Massnahmen wird über Ergänzungsleistungen oder die IV mitfinanziert – erkundige dich frühzeitig.

Kenne deine Ansprüche und melde sie rechtzeitig an

Hilflosenentschädigung, Ergänzungsleistungen, AHV-Betreuungsgutschriften: Anträge dauern oft mehrere Monate. Reiche sie darum frühzeitig ein, statt zu warten, bis die finanzielle Belastung bereits gross ist. Details dazu findest du auf den Kantonsseiten und in den FAQ.

Tausch dich mit anderen Betroffenen aus

Angehörigen-Treffen, Selbsthilfegruppen oder Online-Austausch helfen, sich weniger allein zu fühlen. Andere, die Ähnliches erleben, haben oft wertvolle praktische Tipps – und manchmal hilft es schon, einfach verstanden zu werden.

Plane bewusst kleine Auszeiten ein

Auch 15 bis 30 Minuten am Tag nur für dich – ein kurzer Spaziergang, ein Kaffee in Ruhe – machen einen Unterschied. Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern realistisch durchzuhalten.

Hol dir bei der Begleitung in der letzten Lebensphase frühzeitig Hilfe

Wenn du Unterstützung brauchst, etwa in der Sterbephase – zum Beispiel durch einen Palliative-Care-Begleitdienst wie den Begleitdienst der Aargauer Landeskirchen oder ein Hospiz – warte nicht zu lange damit. Viele Angehörige zögern das hinaus, bis sie selbst komplett am Anschlag sind. Diese Dienste werden meist von Freiwilligen geleistet, und das sind nicht sehr viele Personen. Es steht deswegen nicht für jede Nacht automatisch jemand zur Verfügung – frag deshalb frühzeitig an. Die Dienstleistung selbst ist kostenlos, die Freiwilligen nehmen kein Geld dafür an. Bitte spende der Organisation als Dank dafür grosszügig – pro Nacht empfehlen sich mindestens 100 bis 200 Franken.

Pflegebetten und Antidekubitus-Matratzen sind kein Luxus

Ein Pflegebett und eine Antidekubitus-Luftdruckmatratze sind keine Luxusartikel, sondern wichtige Hilfsmittel. Ich selbst habe mit einer solchen Matratze sehr gute Erfahrungen gemacht – sie hat viele Probleme gelöst. Organisiere solches Material frühzeitig und nicht erst, wenn bereits ein Dekubitus (Druckgeschwür) entstanden ist. Du bekommst es bei Anbietern im Bereich Senioren-Hilfsmittel. Da die Pflege meistens nicht über Jahre dauert, ist Mieten oft die bessere Wahl als Kaufen.

Lass dir möglichst alles vom Arzt verschreiben

Vieles, was du für die Pflege brauchst – Bepanthen-Salbe, Zinksalbe, Pants oder Windeln und Ähnliches – wird mit einem Arztrezept ganz oder teilweise von der Krankenkasse übernommen. Frag deshalb konsequent nach einem Rezept, bevor du solche Dinge selbst bezahlst.

Auch Unterstützungsdienste werden teilweise von der Krankenkasse mitfinanziert

Wenn du beispielsweise für drei bis vier Stunden jemanden für Unterstützung brauchst, beteiligt sich die Krankenkasse oft an den Kosten. Es lohnt sich, das aktiv nachzufragen, statt automatisch davon auszugehen, dass du alles selbst tragen musst.

Schaff dir bei Essproblemen einen guten Mixer an

Wenn die zu pflegende Person nicht mehr gut essen kann, ist ein Mixer eine grosse Hilfe – man kann damit fast alles pürieren. Gerade in den letzten Lebensmonaten zählt der Geschmack mehr als die Konsistenz des Essens.

Informiere den Hausarzt frühzeitig, wenn der Tod zuhause absehbar ist

Wenn sich abzeichnet, dass dein Angehöriger zuhause sterben wird – informiere frühzeitig den Hausarzt. So kann er sich Zeit für die Ausstellung der Todesbescheinigung einplanen. Es ist für alle angenehmer, wenn der vertraute Hausarzt das übernimmt, statt eines fremden Notarztes, der sonst gerufen werden müsste.

Zögere nicht, bei Schmerzen oder Unruhe Morphin einzusetzen

Hat die zu pflegende Person in der Sterbephase Schmerzen oder starke Unruhe, zögere nicht, Morphin einzusetzen. Organisiere Morphin und das nötige Zubehör (Spritzen zum Aufziehen und zum Verabreichen) frühzeitig, bevor die Sterbephase eintritt, damit du es jederzeit griffbereit hast. Wenn alle zwei bis drei Stunden eine Gabe nötig ist, kannst du dich nicht auf die Spitex verlassen – sie kommt nicht in einem so kurzen Rhythmus vorbei. Das musst und kannst du selbst können. Hausarzt, Apotheke oder die Spitex zeigen dir genau, wie du vorgehst. Allein zu sehen, wie die Schmerzen nachlassen, macht die Überwindung wett, es selbst zu spritzen.

Weniger ist mehr: schütze die sterbende Person vor Überpflege

In der Sterbephase will die Spitex es oft besonders gut machen – Pants wechseln, den Körper waschen und erfrischen, nach Plan. Für die sterbende Person kann genau das aber zur Belastung werden. Wechsle Pants nur, wenn es offensichtlich nötig ist, nicht weil es im Plan steht, und beschränke die Intimpflege auf das Nötigste – sie muss nicht täglich stattfinden. Behaupte dich gegenüber der Spitex und sag ruhig auch mal Nein: «Wir schauen es morgen nochmals an.»

Prüfe die AGB der Spitex genau – du musst nicht alles akzeptieren

Lies die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Spitex genau durch und unterschreibe nicht einfach alles. Ich habe verhandelt, und aus sechs Seiten AGB blieben am Ende zwei übrig. Ein Beispiel: Die Spitex darf nicht einfach die Wohnung betreten, wenn sie mal kurz vor der Tür warten muss – wenn du deinen Angehörigen rund um die Uhr betreust, öffnest du selbst, wenn es klingelt. Verlange ausserdem, dass Fotos von Verletzungen oder Dekubituswunden nur mit deiner ausdrücklichen Zustimmung im Einzelfall gemacht werden – lass dich jedes Mal fragen, statt dass es zur Routine wird. Wie sich eine Wunde entwickelt, siehst die Spitex vor Ort besser.

Lass dich als pflegender Angehöriger bei der Spitex anstellen

Lass dich unbedingt als pflegender Angehöriger bei einer Spitex-Organisation anstellen. Auch wenn dabei einiges an finanziellen Aufwand anfällt: Auch du kannst den Stundenlohn von rund 35 Franken gut gebrauchen. Meistens hast du dein Arbeitspensum reduziert oder sogar ganz aufgegeben – auch du musst von etwas leben. Scheue dich also nicht, das in Anspruch zu nehmen.

Absolviere den nötigen Pflegekurs möglichst früh

Wenn du dich bei einer Spitex-Organisation als pflegender Angehöriger anstellen lässt, mach den dafür verlangten Kurs so früh wie möglich. Sobald dein Angehöriger rund um die Uhr Betreuung braucht, bleibt dir dafür keine Zeit mehr. Melde dich deshalb frühzeitig an, lass dich anstellen und absolviere den Kurs, solange du noch kannst – hier gilt: vorbeugen statt abwarten.

Geh auch im Rollstuhl und bei jedem Wetter nach draussen

Auch wenn die zu pflegende Person nicht mehr gut zu Fuss ist, geh mit ihr im Rollstuhl spazieren. Jede Minute frische Luft tut sowohl der gepflegten Person als auch dir als pflegender Angehörigen gut. Das funktioniert auch im Winter – ich habe meiner Mutter zum Beispiel meine Skihose und Skijacke angezogen und zusätzlich zwei Decken über den Körper gelegt.

Organisiere regelmässige Fusspflege durch eine Podologin

Lass alle zwei Monate eine Podologin kommen, um die Fussnägel der zu pflegenden Person zu schneiden – das ist wichtig, gerade bei eingeschränkter Beweglichkeit oder empfindlicher Haut. Die Fingernägel kannst du selbst übernehmen oder der Spitex in Auftrag geben.

Lass dir vom Hausarzt Physiotherapie zuhause verordnen

Lass dir vom Hausarzt in jedem Fall eine Verordnung für Physiotherapie zuhause ausstellen – idealerweise ein- bis zweimal pro Woche. Jede Minute Bewegung und Training verbessert den Allgemeinzustand deiner zu pflegenden Person, selbst wenn sich der Gesundheitszustand insgesamt verschlechtert. Je länger die Physiotherapie andauert, desto besser – Krankenkassen akzeptieren das oft auch über längere Zeit.

Nutze ein Therapiebecken – ein Bad ist auch im Rollstuhl möglich

Auch wenn die zu pflegende Person nicht mehr gehen kann, lohnt sich ein Ausflug in ein Therapiebecken, zum Beispiel in Bad Zurzach. Dieser Bereich ist vom öffentlichen Bad abgetrennt, ruhiger und meist mit einem Lift ausgestattet, der die Person direkt ins Wasser lässt. Mit einer Schwimmnudel, die du unter den Armen um den Körper wickelst, bleibt sie sicher an der Oberfläche – man kann im Becken auch stehen. Lass dir vom Hausarzt eine Verordnung für Physiotherapie im Wasser ausstellen, dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Für Dich ist der Eintritt für das Therapiebecken oft günstiger als für die Publikumsbecken, und es gibt auch kein Zeitlimit. In Zurzach bezahlte ich 2026 12 Franken. Ein Bad im warmen Thermalwasser ist gerade für ältere Menschen und auch für dich eine echte Wohltat – die Freude in den Augen deiner Mutter oder deines Vaters ist Entschädigung genug.

Frisches, gemixtes Frühstück – und was bei Verstopfung hilft

Mach jeden Morgen ein frisches Frühstück: gemixte Beeren, frisches Apfelmus, im Sommer Mus aus Honigmelone, manchmal mit etwas Naturjoghurt darunter gemischt. Auch Vanille- oder Schokoladenpudding kommen gut an. Misch Haferflocken oder Leinsamen unter, das unterstützt die Verdauung – einfach alles schön fein mixen. Wenn der Stuhlgang harzt, hilft oft ein Liter Apfelschorle über den Tag verteilt sehr gut, ebenso abführend wirkende Lebensmittel wie Pflaumensaft. Erst wenn das nicht reicht, braucht es im Notfall ein Klistier.

Halte die Kleiderfrage in der letzten Phase einfach

In den letzten Monaten haben wir die Kleiderfrage bewusst einfach gehalten: jeden Tag ein frischer Pyjama, sonst nichts. Auch im Pyjama kann man problemlos spazieren gehen – andere Kleidung anzuziehen wird irgendwann zu kompliziert und aufwändig. Halte in dieser Phase alles so einfach wie möglich.

Halte die Wohnung im Sommer kühl

Achte darauf, dass die Wohnung im Sommer kühl bleibt: morgens gut lüften und danach alle Fenster geschlossen halten. Eine mobile Klimaanlage kann dabei eine grosse Hilfe sein. Hitze setzt pflegebedürftigen Menschen stark zu – bleib an heissen Tagen drinnen und verlege den täglichen Spaziergang auf den frühen Morgen oder späten Abend.

Ein Wasserzerstäuber erleichtert das Atmen in der letzten Lebensphase

In der letzten Lebensphase wird das Atmen oft schwieriger. Ein Wasserzerstäuber, der einen feinen Sprühnebel Richtung Kopf der zu pflegenden Person abgibt, kann das Atmen spürbar erleichtern. Damit Bettdecke und Kissen nicht zu feucht werden, leg Badetücher darüber und wechsle sie regelmässig gegen trockene aus. Steht die Person zwischendurch auf, zum Beispiel an den Frühstückstisch, häng Bettdecke und Kopfkissen sofort zum Trocknen auf.

Wenn immer möglich: zuhause sterben lassen

Unternimm alles, damit dein geliebter Mensch zuhause sterben kann. Auch wenn es gegen das Ende hin schwieriger wird, ist das allein kein Grund für eine notfallmässige Einweisung ins Pflegeheim oder Spital. Bleib ruhig, hilf so gut du kannst, und denk daran: Gegen Schmerzen und Unruhe gibt es Morphin. Der Tod ist selten etwas Schönes, aber wenn immer möglich zuhause zu bleiben, ist für die meisten Angehörigen im Rückblick die richtige Entscheidung gewesen.

Wasche deinen Angehörigen nach dem Tod selbst

Wasche deinen verstorbenen Angehörigen nach Möglichkeit selbst – ich weiss, das ist keine einfache Aufgabe, aber ein wertvolles Ritual für dich. So bist du der geliebten Person noch einmal ganz nahe, kannst mit ihr reden und in Ruhe Abschied nehmen. Zieh ihr anschliessend die Lieblingskleider an. Vielleicht hilft dir jemand dabei – aber überlass es nicht einfach dem Bestattungsinstitut. Im Rückblick wirst du froh sein, es selbst getan zu haben.

Der Kaffee danach – nimm dir Zeit, es eilt nicht mehr

Ist die zu pflegende Person gestorben, geh zuerst in die Küche und mach dir einen Kaffee. Trink ihn in Ruhe, und wenn ein Angehöriges oder jemand von der Nachtwache bei dir ist, sprecht über das Erlebte. Erst danach kommt das Waschen und Anziehen. Ist es mitten in der Nacht, etwa um zwei Uhr, kannst du ruhig bis zum Morgen warten und erst dann den Hausarzt oder Notarzt anrufen – es eilt nicht, du hast genug Zeit. Ist es sehr warm, hilft ein Packen Erbsen aus dem Tiefkühler, in ein Handtuch gewickelt und unterhalb des Bauchnabels auf den Unterleib gelegt: Die Kühlung im Bereich des Magen-Darm-Trakts, wo die Zersetzung zuerst beginnt, hemmt die Bakterienvermehrung und verlangsamt diesen Prozess spürbar.

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